Rundbrief Januar 98




Sainte-Sabine, den 4. Januar 1998


Liebe Freunde und Verwandte,

Schon hat der Januar Einzug gehalten, und aus meinem geplanten Weihnachtsrundbrief wird nun 
halt ein Neujahrsbrief. So möchte ich Euch allen vorab von Herzen ein glückliches, gesegnetes 
Neues  Jahr wünschen!
So ein Jahresanfang ist auch Gelegenheit zum Rückblick, und so möchte ich Euch erzählen, was 
für uns 1997 alles gebracht hat. 
Es war das zehnte Jahr, das wir in unserer zweiten Heimat verlebt haben, und am ersten April 
sind wir alle vier endlich auch kanadische Staatsbürger geworden, wobei wir aber unser Schweizer 
Bürgerrecht behalten haben. 
Auf der Farm geht es weiterhin recht gut. Seit Februar haben wir wieder einen Angestellten, was 
arbeitsmässig eine Erleichterung ist. Im Juni war es sehr trocken, so dass wir nur sehr wenig 
Heu machen konnten. Dafür war die Maisernte dann recht zufriedenstellend, und so sollten wir 
doch genug Futter haben. Im Moment haben wir 200 Stück eigene Tiere und 37 Rinder in Pension. 
In den letzten Wochen gab es recht viele Kuhkälber, so dass die Hüttchen draussen bevölkert 
sind. Dazu kommen unsere drei Hunde Bänzli, Perry und Lumpi, eine Unmenge Katzen, ein paar 
verstrubelte alte Hühner und seit diesen Sommer drei Gänse : Witschliwatsch, Emma und Philemon 
der Böse, der Ganter, der einen in die Waden beisst. 

Die Buben machen sich. Adrian ist in der 4. Sek., möchte nach wie vor fliegen, beschränkt sich 
vorerst aber aufs Autofahren. Er hat im Dezember die Fahrprüfung bestanden, bei uns ist das 
Mindestalter dafür 16, und dies hat er ja im Juni erreicht. Er ist jetzt auch in der Football-
Equipe der Schule (American Football), bei den " Asterix ", das hat im Spätsommer und Herbst 
sehr viel seiner Zeit in Anspruch genommen, was sich dann auch auf sein Zeugnis ausgewirkt hat…
aber er nimmt das Lernen jetzt wieder ernster. Im Stall ist er erster Silokarrenfahrer, 
abends und an freien Tagen. 
- Michael in der 2. Sek ist noch immer unser Bücherwurm und Musiker. Seine Geige liebt er sehr, 
und in der Schulmusik hat er vom Tenorhorn auf die Tuba gewechselt. Die Schule macht ihm wenig 
Mühe, und seit er viel mehr liest, haben sich seine Franznoten auch gebessert. 
- Res und ich geniessen es, einmal im Monat ein freies Wochenende zu haben, oder jedenfalls 
ich, Res ist es noch nicht immer ganz geheuer dabei. Aber so können wir doch ab und zu etwas 
Besonderes unternehmen, einen Besuch machen, von dem man nicht heim in den Stall " jufeln " 
muss oder, wie im Dezember, an ein Gospelkonzert nach Montreal fahren.

									
27. Januar 1998

Soweit war ich gekommen mit meinem Brief, und dann kam der Eisregen. Ich nehme an, dass die 
meisten von Euch davon in den Medien vernommen haben. Für uns bedeutete dies, zwei Wochen mit 
dem Generator Strom zu machen und seit bald drei Wochen sind wir noch immer ohne Telefon…Ich 
möchte Euch nun einfach teilhaben lassen an unserem Erleben mit einigen Tagebuchauszügen.

6.1.98
Eisregen, dass die Bäume brechen, und seit acht Stunden haben wir keinen Strom mehr. Die 
Buben haben schon den zweiten Tag keine Schule, und ich koche auf dem Fonduerechaud. Res 
setzt nun doch den Generator in Gang, es ist neun Uhr vormittags und die Kühe muhen 
unzufrieden. Man hört auch Hunde bellen und ein paar Traktormotoren, aber sonst ist es ganz 
still. Wir sind schon unwarscheinlich abhängig von der Elektrizität: ohne sie ist kein Wasser, 
keine Heizung und nicht eine Maschine läuft. Ich kann Wäsche zusammenlegen oder Socken flicken, 
aber es wird langsam kalt im Haus. Irgendwie wird einem klamm ums Herz, ich habe fast ein 
wenig Angst…

8.1.98  6 00 h  morgens bei Kerzenlicht
Gestern hatten wir fast den ganzen Tag wieder Strom, aber gegen Abend hat der Eisregen wieder 
angefangen. Die Bäume sehen entsetzlich aus. Ich habe mir Adrians Walkman geliehen um Radio 
zu hören. Der Notstand wird ausgerufen, 880 000 Haushalte hier in Québec sind heute ohne Strom. 
Da sind wir ja gut dran mit unserem Generator, auch wenn er nicht besonders leistungsfähig ist. 
Die Männer sind gerade daran, ihn wieder einzurichten. Die Farmen ringsum haben Licht, aber 
sonst ist alles finster.
18 10 h
Es regnet und friert noch immer, es heisst, wir hätten nun für einige Tage keinen Strom mehr. 
Heute vormittag habe ich mit Res im Auto eine Runde gemacht. Überall sieht es furchtbar aus, 
Marianne meinte " wie nach einem Bombenangriff ". Grosse Bäume sind zersplittert, einzelne 
Aeste ragen nackt in den Himmel, die Zweige liegen abgebrochen am Boden. In Farnham sind 
Strommaste gebrochen und die Drähte liegen am Boden. Es wird Wochen dauern, bis alles 
aufgeräumt ist und Jahre, bis sich die Wälder erholt haben werden.

9.1.98 vormittags
Eine unruhige Nacht liegt hinter uns. Um  2 h ist der Strompfosten vor dem Haus gebrochen, 
einfach unter dem immensen Gewicht des Eises. Die Kabel liegen auf der Strasse - und die 
Bäume bersten weiterhin, alles sieht gespenstisch aus. Jetzt haben wir auch kein Telefon mehr, 
da auch diese Leitung gerissen ist. Aber wir können doch immerhin zuhause bleiben, wir können 
Strom machen, haben unsere Tiere und können unsere Arbeit weiterführen.Viele, viele Menschen 
hier in Québec haben die Nacht in einer Notunterkunft verbringen müssen. 1 350 000 Haushalte 
sind ohne Strom. In St-Césaire ist die grosse Transformatorenstation ausgestiegen, und die 
grossen Metallmaste der Üeberlandlinie sind unter dem Gewicht des Eises zusammengebrochen.
Eben kam Adrian und sagte, dass ALLE Strompfosten am Rang de la Gare gebrochen sind und dass 
das Kabel zwischen Haus und Stall auch am Boden liegt. Das wärs dann also…Jetzt können wir 
nicht mehr heizen, kochen, telefonieren und mit dem Auto können wir auch nicht mehr fort, 
unsere Strasse ist unpassierbar.
Am Abend
Nun haben wir heute doch allerlei Schwierigkeiten meistern können. Gegen 11 00 h kamen 
Feuerwehrleute und räumte wenigstens die Strasse frei. Jetzt liegen die Kabel wie Spaghetti 
auf dem Platz herum. Wir hatten Angst um den Pfosten, der zwischen den (ehemaligen…) 
Hängemattenbäumen steht, aber er hat gehalten bis jetzt. Kurz nach Mittag stieg Res aufs 
Hausdach und konnte tatsächlich das Stromkabel provisorisch wieder flicken, so dass wir doch 
wieder ein recht gemütliches Mittagessen machen konnten. Dann fuhren Res und ich auf die Suche 
nach Benzin und Lebensmitteln. In Farnham funktionierte die Tankstelle der Petrocanada nicht, 
aber bei Ultramar konnte man Benzin bekommen…falls man Bargeld hatte, Kreditkarten werden nicht 
akzeptiert. Ich fand im halbdunklen Lebensmittelladen auch fast alles Notwendige. Allerdings 
war es dort speziell, viele Regale leer, keine gekühlten Produkte dafür die Kunden und das 
Personal sehr gesprächig, freundlich und hilfsbereit, man schwatzte miteinander, tauschte 
Erlebnisse aus oder besprach, was man kochen könnte unter diesen Umständen. Anschliessend 
fuhren wir nach St-Ignace, um in der Mühle Kraftfutter für die Kühe zu holen. In Bedford sah 
es weniger schlimm aus, das Eis an Kabeln und Bäumen ist weniger dick und nur wenig liegt am 
Boden. Aber auch dort ist kein Strom. 
Als wir gegen vier nach Hause kamen, schien fast die Sonne, und ab und zu sah man ein Fleckchen 
blauen Himmels, was fast Euphorie auslöste…Doch dann kam wieder eine schwarze Wolkenwand und 
plötzlich blitzte und donnerte es wie im Hochsommer. Das Eis fängt langsam an zu tauen, zum 
Teil löst es sich von den Kabeln, die noch in der Luft sind, auch aus den Bäumen fallen grosse 
Eisbrocken, aber auch Aeste brechen noch immer. Das Eis ist gut  8-10cm dick um alles, es ist 
wirklich fast nicht zu beschreiben, wie alles aussieht, wie ein Horrorfilm, ausserirdisch, 
unwirklich…
Res hat bei der Nachbarin mit unserem Generator ein wenig Strom gemacht, jetzt ist er zurück-
gekommen, die Männer sind wieder im Stall und ich schreibe bei Kerzenlicht, höre Walkman und 
habe drei dicke Pullover angezogen.

10.1.98 Samstagvormittag
Tag vier ohne Strom, d. h. eigentlich schon der fünfte, wenn man den Montag dazu rechnet, und 
wie es aussieht, dauert es noch mindestens eine Woche, bis  wir wieder haben. Die Stadt 
Montréal hat Probleme mit dem Trinkwasser und zum Teil auch mit der Lebensmittelversorgung. 
Ich bin so dankbar, dass wir doch immer wieder warm haben und etwas kochen können.  Irgendwie 
stellt sich eine Art Katasrophen-Routine ein, man weiss so langsam, was mit dem Generator 
drinliegt und was nicht. Und ich selbst habe erstaunlicherweise viel mehr Zeit, kein Computer, 
kein Telefon, fast ein wenig abgeschnitten von der Welt.
Die Buben helfen viel. Jetzt gerade geigt Michael, und weil es sonst so still ist im Haus, ist 
das richtig schön.

Am Abend
Ein grosses Problem ist, dass die Milch nicht mehr abgeholt wird. Wir haben jetzt fünf mal 
Melken im Tank, morgen bringen wir nicht mehr alles hinein. Jetzt ist Res noch losgefahren, um 
einen Milchchauffeur zu finden, vielleicht gelingt es, dass morgen jemand kommt. Auch 
Fankhauser Chrigu hat voll, dazu ist sein Generator kapputt gegangen, er war heute nachmittag 
da und wirkte ziemlich verzweifelt. Zum Glück hat Fridu, sein Bruder, Generatoren aus Alberta 
geschickt, hoffen wir für ihn, dass diese bald ankommen.
Heute Nachmittag wollte Res auch eine Motorsäge kaufen gehen, um ein wenig aufzuräumen um die 
Bäume, aber natürlich sind auch Sägen im Moment ausverkauft, so stehen wir auf der Warteliste…
vielleicht nächste Woche…
Morgen hoffen wir, Diesel zu bekommen. Der Traktor am Generator braucht etwa 200 l Diesel im 
Tag, so sind wir dringend auf Nachschub angewiesen, sonst geht gar nichts mehr.
Jetzt habe ich gerade den Wetterbericht gehört, es soll kälter werden, am Montag bis -12oC. 
Das wird einiges komplizieren. Bis jetzt war es immer so um null, das half, es war dann doch 
nicht zu kalt. Dafür hat der Regen gestern abend endlich aufgehört!

11.1.98 Sonntag
Res kam dann gestern abend mit dem entmutigenden Bericht zurück, man solle die Milch ausleeren, 
es komme frühenstens am Montag wieder ein Camion, weil die Strassen so schlecht sind, und die 
tiefhängenden Kabel sind eine grosse Gefahr für die Trucks, auch laufen einige Milchver-
arbeitungsfabriken nicht mehr mangels Elektrizität. So haben wir heute morgen sehr früh 
gemolken, damit die Kühe weniger Milch geben. Sie bekommen auch kein Kraftfutter mehr, damit 
wir nicht Kosten machen für Milch, die wir dann doch ausleeren müssen. Ich habe etwa 420 l 
Milch zentifugiert, das gab 30 l Rahm zum verbuttern. Der Milchtank wurde ganz voll. Wir 
beschlossen, am Abend die Milch wieder zu zentrifugieren und für Montagmorgen den mobilen 
Käser zu organisieren. Das war aber völlig grundloses Kummern, denn um 10 30 h kam ein 
Milchcamion und holte immerhin 1800 l ab, was uns wieder Platz fur zwei Melketen schafft. 
Und der Chauffeur sagte, er würde am Montag den Rest abholen. Man kann sich gar nicht 
vorstellen, wie erleichtert wir alle waren! So haben wir nur die Magermilch von heute morgen 
verloren. Jetzt hätte man einmal ein Milchbad nehmen könnnen..
Den Sonntag verbrachten wir im Bett mit Lesen und Schlafen, dort war es am wärmsten, wir haben 
nämlich den Geberator beim Haus im Dorf angeschlossen, damit Marc auch wieder einmal heizen 
kann. Und jetzt sind die Männer wieder alle vier im Stall am Melken, es hat ja wieder Platz 
im Tank!

12.1.98 Montagmorgen
Es war eine kalte Nacht, (-18oC). Hier im Haus ist es angenehm, da wir gestern abend noch 
stark geheizt haben und ich auch von fünf bis halb sechs heute morgen etwas Strom ins Haus 
bekam. Ich habe gestern zwei Maschinen waschen können und die Männer haben endlich einmal 
geduscht. Res ist aber sehr müde, das Ganze zehrt doch an den Nerven und wir haben einige 
Nächte sehr schlecht geschlafen, aber wenn wir am Fernsehen (welcher Luxus am Abend!) 
vernehmen, wie es in den Notlagern ist, so müssen wir ja wirklich zufrieden sein!

Am späten Nachmittag
Die Sonne scheint warm und strahlend und bringt die Eisreste wie Diamanten zum Funkeln. Doch 
die traurigen Baumgerippe sehen dadurch nur noch grotesker aus.
Das Dorf organisiert sich, Holz, Kerzen, Petrol für Lampen, sogar Lebensmittel und Notlager 
werden angeboten. Robert M. von der UPA (dem Bauernverband) kommt von Haus zu Haus, um uns 
mitzuteilen, dass sie einen Hilfsservice für Generatoren  eingerichtet haben. Bauern aus 
verschonten Regionen stellen uns die ihrigen zur Verfügnung, falls unsere aussteigen oder 
nicht genügen. Marin, unser Nachbar kommt mit einem langen Kabel, um es bei uns einzustecken 
und über die Strasse zu legen. Res und er basteln den halben Nachmittag an Steckern und 
versuchen, auf diese Weise Strom ins Nachbarhaus zu bringen, was schlussendlich aber nicht 
gelingt.
Eben fährt die Polizei mit Blaulicht und Sirene an unserem Haus vorbei un in den elften Rang. 
Was wohl da wieder los ist? Es geschehen so viele Unfälle durch diese Strompanne. In Venise 
sind zwei Menschen bei einem Hausbrand ums Leben gekommen, unvorsichtiges Heizen oder Umgang 
mit Kerzen… Der Chauffeur, der uns den Diesel bringt ist heute Vormittag in einen Graben 
gefahren. Er hat uns gestern Nacht um Mitternacht noch den Tank gefüllt und hat bestimmt viel 
zu wenig geschlafen. Zum Glück hat es ihm nichts getan. Es wird auch von Diebstählen 
(Generatoren!) und Hausplünderungen berichtet.
Heute morgen hatten wir Angst, dass die Milch nicht mehr geladen würde, die älteste war nun 
doch vier Tage alt, und das Ganze (3300 l) hatte einen leicht säuerlichen Stich. Doch der 
Milchchauffeur entschied, Doch, doch, das geht noch! Und hat alles geladen. Die Kühlung 
funktioniert halt auch nicht immer einwandfrei mit dem Generator.

13.1.98 Dienstagmorgen
Jetzt spielt das Wetter wiederum verrückt, nachdem es gestern so kalt war, ist es jetzt wieder
über null, aber es stürmt so, dass es im Haus sofort kalt wird. So langsam bekommt man doch 
genug von der Situation. Es ist heute grau und trist, dazu pfeift der Sturm. Ich habe Kerzen 
angezündet, obwohl es Tag ist, nur damit es etwas gemütlicher wird. Und etwas Schönes muss ich 
doch auch berichten : Dem Baum, den ich für mein Patenkind Jana gepflanzt habe, ist kein 
Aestchen gebrochen! Er hatte sich zwar bis zum Boden geneigt, aber jetzt, wo das Eis weg ist, 
steht die kleine Eberesche wieder stolz und gerade.

Am Abend
Heute war fast der schwierigste Tag. Am Vormittag ist unser Generator ausgestiegen, dazu 
dieser saukalte Wind und später sogar Regen. Ich machte noch etwas Butter, bis der Strom 
ausging, aber dann war ich vom kalten Wasser in dem ich die Butter ausgeknetet hatte, so 
durchfroren, das ich ganz deprimiert war. Michi hat mich dann auf dem Kanapee mit seiner 
eigenen Decke warm eingepackt und ich habe ein wenig geschlafen. Danach ging es besser, aber 
ohne Strom gab es halt Café complet zum Zmittag (un 14 00 h) mit Kaffee und Tee vom 
Fonduerechaud. Res war es gelungen, einen Generator über den UPA-Service zu bekommen, 
allerdings mit Schwierigkeiten und ohne Kabel. Der Nachmittag verging dann mit der Suche nach 
Kabeln, Steckern, Benzin, Bargeld und Lebensmitteln, die drei letzteren Dinge waren relativ 
leicht zu beschaffen, ich konnte sogar zwei Flaschen des rationierten Fonduesprites erstehen. 
Res war weniger erfolgreich mit seinen Kabeln, kriegte aber immerhin die Stecker. Jetzt sitzen 
die Männer im Ford -Kleinbus (der ist heizbar, hat Licht und sogar Radio…) und setzen die 
Stecker zusammen. Es schneit in dicken Flocken und der heftige Wind hat nachgelassen. Mit den 
Kerzen und der Wärme, die vom Kaffekochen auf dem Fonduerechaud übrigbleibt, ist es nun doch 
wieder erträglich in der Küche. 
- Und jetzt sehe ich, dass im Stall Licht ist, der Ersatz-Generator scheint also zu 
funktionieren. Juhe!
Das Polizeiauto, das ich gestern Nachmittag gesehen habe, fuhr zu einem schrecklichen Unfall : 
Ein älterer Mann, Nachbar von Rochats, ist mit seinem Traktor in herabhängende Drähte gefahren, 
diese verfingen sich am Auspuff, welcher  davonspickte und den Mann erschlug. Er hatte seinen 
Generator nach St-Fabien gebracht um für die Kirche ein wenig Strom zu machen, und auf dem 
Rückweg ist das passiert. - Man sieht jetzt viel Polizei und auch die Armee ist da und soll 
beim Aufräumen helfen.

14.1.98  Mittwoch
Weil es sehr kalt war, liessen wir den Generator die ganze Nacht laufen, damit das Wasser im 
Stall nicht einfriert. So war es angenehm im Haus, als ich um 6 00 h dem Männern heissen 
Kaffee machte, danach bin ich nochmals ins Bett geschlüpft und habe bis um 9 00 h geschlafen, 
seit langem wieder einmal tief und fest. Am Vormittag fuhren wir zu Philippe und Esther, bei 
ihnen funktioniert das Telefon, so konnte ich ein paar wichtige Anrufe erledigen und sogar 
schnell in die Schweiz telefonieren, um zu sagen, dass es uns gut gehe.  Es gab ein schnelles 
Suppenzmittag, gleich danach fuhren Res un Marc weg, Res will einen stärkeren Generator kaufen. 
Adrian  machte ganz allein im Stall weiter, Michi schlief ein wenig und ich setzte mich im 
Schaukelstuhl ans Fenster. Die Sonne strahlte, und obwohl es draussen um -15oC war, wurde es 
in der Stube auch ohne Heizung recht angenehm, so flickte ich den ganzen Nachmittag von Hand. 
Res und Marc kamen beim Eindunkeln zurück, Res hat jetzt einen 50 000 Watt Generator bestellt, 
damit sollte unser Betrieb normal funktionieren können. Er soll 8000$ kosten, eine unvorher-
gesehene, aber notwendige Ausgabe.

15.1.98 Donnerstag
Ein grosser Tag für unser kleines Dorf, der Premierminister Jean Chrétien besuchte 
Sainte-Sabine, um zu sehen wie es den Bauern hier gehe. Es war ganz lustig, das Theater zu 
sehen, all die Presse mit den vom Bildschirm vertrauten Gesichtern, dazu natürlich das ganze 
politische Gefolge, der Abgeordnete Denis Paradis, der Finanzminister, auch einige dekorierte 
Militärs. Unser Maire war schon nervös, konnte kaum seine vorbereitete Ansprache lesen. 
Der Premierminister gab einigen Dorfbewohnern die Hand, besuchte dann die Farm von Fernand 
Phoenix…aber wirklich nur für die Medien, wobei dieser Betrieb wirklich keine Vorzeigefarm ist.
Kurz vor dem Melken kamen zwei Monteure von Hydroquébec um uns bei der Installation des 
geliehenen Generators zu helfen. Sie brachten auch ein gutes, dickes Kabel, so dass wir jetzt 
die 30 000 Watt ausnützen können. Das bedeutet, dass man mehrere Motoren aufs Mal laufen lassen 
kann und ich auch im Haus mehr Strom bekomme. 
Am Nachmittag kam Hansueli Kaiser mit seinem Generator auf dem Pickup, er hat seit gestern 
wieder Strom, und da er uns nicht anrufen konnte, kam er kurzerhand selbst vorbei, um nach uns 
zu sehen und uns seinen Generator anzubieten. Das ist ja so lieb! Res hat dann vorgeschlagen, 
den Generator dem Tierarzt zu leihen, der auch Schwierigkeiten hat, und Olivier hat dazu einen 
seiner Traktoren zur Verfügung gestellt. So helfen doch viele einander aus.

16.1.98 Freitag
Wieder meine " Kerzenstunde " während des abendlichen Melkens. Das wird mir bestimmt fehlen, 
wenn der Strom wieder kommt. Gerüchten zufolge soll dies morgen oder übermorgen der Fall sein. 
Jedenfalls wurden heute am Rang de la Gare neue Stangen gesetzt, das ist doch ermutigend! 
Auch unser eigener alter 15 000 Watt Generator ist wieder geflickt, so konnten die Männer im 
Haus im Dorf auch Strom machen. Allerdings ist das Wasser eingefroren und die Wasserpumpe ist 
gespalten, sogar das WC und die Abläufe seien gefroren. Aber offenbar sind die Wasserleitungen 
nicht kaputt, nur die Pumpe. Da sind wir noch glimpflich davongekommen.

17.1.98 Samstag
Wieder hoher Besuch, diesmal sogar in unserem Haus. Bill Phipps, der  Moderator (das ist das 
" höchste " Amt in unserer Kirche) kam aus Alberta, um die Gemeinden im Eis zu besuchen. Mit 
ihm kamen noch andere Männer der Eglise Unie, auch unser Pfarrer. Ich hatte am Vormittag 
versucht, möglichst viele Leute unserer Gemeinde zu mobilisieren, aber nur Marianne konnte 
kommen, alle andern, die in der Nähe wohnen, konnte ich entweder nicht erreichen oder es war 
ihnen unmöglich, teilzunehemen. Kaum waren die Herren von der E.U. da, fuhr noch ein anderes 
Auto vor - die Vannods, die ebenfalls noch keinen Strom und kein Telefon haben, kamen, um nach 
ihren Rindern zu schauen, die bei uns den Winter verbringen. So war doch noch eine frankophone 
Familie unserer Gemeinde vertreten. Bill Phipps liess uns erzählen, wie wir das Ganze erleben, 
von unseren Schwierigkeiten und Aengsten. Wir haben uns bis jetzt ja recht gut durchgeschlagen, 
materiell haben wir keine enormen Schäden erlitten, die hohe Dieselrechnung und die 400 l Milch 
waren die hauptsächlichen Verluste, und bei den andern Familien sieht es ähnlich aus.  
Für uns alle war eher die psychische Belastung schwierig, der Stress und die Angst, der 
Generator könnte aussteigen, die Müdigkeit und ein Stück weit die Isolation, ohne Post und 
Telefon. Da war für uns der Kontakt und die Solidarität mit den Nächstwohnenden ganz wichtig, 
aber auch das Wissen, dass andere im Gebet an uns denken, was in unserer Kirche von einem 
Ozean zum andern auch der Fall war. Auch hat die Gesamtkirche einen Solidaritätsfonds 
errichtet, und wir wurden ermutigt, Notlagen zu melden. Die Männer hatten Kerzen, Lampenöl, 
Batterien und Arbeitshandschuhe mitgebracht, doch wir fande, dass es bestimmt Menschen gäbe, 
die diese Dinge nötiger hätten als wir. Es war wirklich nett und ermutigend, dieser Besuch!

18.1.98 Sonntag
Heute wurde viel gearnbeitet am Rang de la Gare! Eine Montage-Kolonne aus Michigan USA, die 
Detroit-Edison, hat unsere Linie wieder aufgebaut. Das war sehr eindrücklich, an jedem Pfosten 
war ein Kranlastwagen, wir zählten 14 Stück davon, dazu die Materialtrucks, der Rang war voll, 
einer nach dem andern. Das ging sehr schnell. Die Monteure waren ausgesprochen nett. Als ich 
hinaus ging, um zu fotografieren, boten sie mir gleich an, mich mit dem Kranwagen einmal 
hochzuheben. Das habe ich natürlich mit Vergnügen angenommen und konnte von hoch droben ganz 
tolle Fotos machen. Wir haben dann fast den ganzen Nachmittag draussen verbracht und den 
Männern zugeschaut, es war sonnig und angenehm. Eindrücklich war auch zu sehen, wie gut diese 
Amerikaner im Team gearbeitet haben. Sechs, sieben oder noch mehr Männer zogen jeweils am 
gleichen Kabel, um es zu spannen. Bis zum Eindunkeln arbeiteten sie, und dann war unsere 
Stromlinie wieder instand gestellt, sogar unser Anschluss ist wieder angehängt!

19.1.98 Montag
Heute über Mittag hatten wir zum ersten Mal wieder für eine Stunde Strom vom Netz! Das heisst, 
dass die Leitung wieder funktioniert und der Anschluss noch intakt ist. Die Post konnten wir 
auf dem Postbüro in Farnham abholen. Auch Farnham hat teilweise wieder Strom. Die 
Telefongesellschaft hat auch schon etwas gemacht, aber für uns reicht es noch nicht zum 
Telefonieren oder für's Internet…

20.1.98 Dienstag
Ab 16 00 h hatten wir wieder Netzstrom, und ich wagte, ein wenig mit dem Computer zu arbeiten, 
Buchhaltung, bis der Strom wieder ausging (Wichtig :Alle zwei  Minuten speichern!!). So wird 
das wohl nun noch eine Weile gehen, bis das Reseau wieder völlig instand gestellt ist. Man 
gewöhnt sich daran, und die Männer sind schnell und geübt, um den Generator bei Bedarf wieder 
anzuschliessen. Was in den ersten Tagen als Katastrophe empfunden wurde, ist jetzt eher noch 
eine Unannehmlichkeit, jedenfalls für uns. 
	

Soweit nun also unser "Tatsachenbericht von der Eisfront".
Seither können wir fast immer mit dem Nezstrom arbeiten, bloss das Telefon bei uns ist noch 
nicht wieder angeschlossen. Ich vermisse das Internet sehr. (Uebrigens, wer es noch nicht 
weiss, man kann uns unter   http://www.granby.net/~santschi   besuchen, und unsere 
elektronische Adresse lautet santschi@granby.net ). Der Alltag zieht langsam wieder ein, und 
am Mittwoch, 28.1. soll auch die Schule wieder anfangen.  
Heute, den 27.1. ist es sehr kalt, letzte Nacht  -32oC. Gott sei Dank haben wir Strom, so 
dass die Heizung funktioniert!

Nun wünschen wir Euch alles Gute und grüssen ganz, ganz herzlich!













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